Fachbeitrag
23. August 2026 · Engineering · Web und Datenschutz

Wer Google Fonts von Googles Servern lädt, überträgt bei jedem Seitenaufruf die IP-Adresse seiner Besucher in die USA. Das Landgericht München hat dafür 2022 Schadenersatz zugesprochen, seither hosten viele Betriebe ihre Schriften selbst. Das ist richtig, und es ist in einer Stunde erledigt.
Wir haben es für diese Website getan, und die Schriften luden trotzdem nicht. Der Grund war ein Zeichen im Stylesheet.
Die Schriftdateien lagen lokal. Das Stylesheet verwies auf sie. Der Browser lud sie nicht, und zwar ohne Fehlermeldung, ohne rote Zeile in der Konsole, ohne irgendeinen Hinweis. Die Seite lief in der Systemschrift, und das fällt nur auf, wenn man weiß, wie sie eigentlich aussehen sollte.
Der Verweis lautete
url(http://www.beispiel.de/wp-content/fonts/archivo.woff2). Die
Seite selbst läuft über https. Browser behandeln eine
unverschlüsselte Ressource auf einer verschlüsselten Seite als
Mixed Content und laden sie schlicht nicht. Bei Bildern
warnen sie noch, bei Schriften und Skripten blockieren sie
stillschweigend.
Man kann jetzt anfangen, die Adresse in der Datenbank zu suchen, oder
eine Regel schreiben, die http durch https
ersetzt. Beides funktioniert und beides bricht wieder, sobald die Domain
sich ändert.
Der bessere Weg ist, das Protokoll gar nicht erst zu nennen:
url(fonts/archivo.woff2). Ein relativer Pfad erbt Protokoll und
Domain von der Datei, in der er steht. Er funktioniert auf der
Testinstallation, auf der Produktivseite und nach einem Domainwechsel, ohne
dass jemand etwas nachzieht.
Die Zeichenbereiche vergessen. Google liefert für jede
Schrift mehrere Dateien, je eine für Latein, erweitertes Latein, Kyrillisch.
Wer nur die erste herunterlädt, bekommt eine Seite, auf der jedes Wort mit
Umlaut in einer anderen Schrift steht. Die unicode-range-Angaben
gehören mit übernommen.
Zu viele Schnitte laden. Eine variable Schriftdatei deckt alle Stärken von 100 bis 900 ab und wiegt weniger als drei feste Schnitte. Für diese Website sind es vier Dateien, zusammen etwa 216 KB, und damit sind zwei Schriftfamilien in allen Stärken abgedeckt.
Der Baukasten lädt weiter nach. Bei WordPress-Baukästen genügt es nicht, die Dateien lokal abzulegen. Elementor etwa hat einen eigenen Schalter für Google Fonts, und solange der steht, lädt er sie zusätzlich.

Ein einziger Befehl reicht:
curl -s https://www.beispiel.de/ | grep -i fonts.gstatic.
Kommt nichts zurück, geht nichts an Google. Ein Blick in die Einstellungen
ersetzt das nicht: Die Einstellung sagt, was gewollt ist, der Quelltext
sagt, was passiert.
Datenschutz auf einer Website ist selten eine Frage der Absicht und meistens eine Frage der Prüfung. Die Absicht war hier von Anfang an richtig, die Dateien lagen am richtigen Ort, und trotzdem war das Ergebnis eine Seite ohne ihre Schriften.
Die unbequeme Folgerung: Bei Schriften merkt man den Fehler, weil die Seite anders aussieht. Bei einem Analysewerkzeug oder einer eingebetteten Karte merkt man ihn nicht, und dann läuft der Fremdrequest weiter, den man längst abgestellt zu haben glaubte.
Wir sehen uns an, was Ihre Website tatsächlich nachlädt, und sagen Ihnen, was davon weg muss.